Die alte Frau in der Literatur. Das etwas andere Buch zu Alter(n) und Gender

6.12.2017
«Auch am Beginn des 21. Jahrhunderts ist der gesellschaftliche Diskurs über Weiblichkeit immer noch bestimmt von Kategorien wie Schönheit, Attraktivität, erotische Ausstrahlung und sexuelle Aktivität. Dabei fällt die alte Frau durch das Raster. Indem die Literatur diese Stereotypen hinterfragt, schafft sie die notwendigen Voraussetzungen, Diskriminierungen des weiblichen Alters zu eliminieren, was für die deutsche wie für die russische Literatur gleichermaßen gilt.»
(S. Belzer-Kielhorn, 2017, p. 19)

»Alt sein«, »Frau sein« und »Alte Frau sein« haben in der deutschen und russischen Literatur ganz unterschiedliche Konnotationen. Stereotype Einordnungen wie erfolgreiches oder erfolgloses Alter(n) reichen hier als Beschreibungskriterien für weibliches Altern nicht aus.
Sigrid Belzer-Kielhorn verdeutlicht, dass die Literatur ihre Möglichkeiten nutzt, herrschende Diskurse zu unterlaufen und damit Alternativen aufzuzeigen: Indem sie mit Bedeutungen spielt, öffnet sie den Raum, weibliches Altersleben als Wahl zwischen diversen Möglichkeiten zu begreifen. Als fiktive Entwürfe von Altersrealitäten haben die analysierten literarischen Texte rückbezüglich wieder Auswirkungen auf die gelebte Erfahrung des Alter(n)s.

Sigrid Belzer-Kielhorn
Die alte Frau in der Literatur. Weibliche Alterskonzepte in der deutschsprachigen und russischen Prosa des späten 19. Jahrhunderts.
Verlag transcript, November 2017
ISBN: 978-3-8376-4016-8